Der Rohbrand

Quellungswasser ist in der Grünware nicht mehr im Ton. Allerdings noch eine reichliche Menge Kristallwassers. Dieses kristallin gebundene Wasser entweicht dem Mineral jetzt während des gesamten Brennvorganges bis ca. 600°C. Diese physikalische Eigenschaft müssen wir einfach kennen, um darauf Rücksicht nehmen zu können. Das ist der Hintergrund für das langsame Aufheizen in der Anfangsphase des Rohbrandes ( auch Schrühbrand, Vorbrand oder Biskuitbrand genannt).

Hier kommt uns die schlechte Wärmeleitfähigkeit des Materials zugute. Die Brennguttemperatur sinkt ja mit zunehmender Tiefe und somit wird das Kristallwasser langsam von aussen nach Innen, also bei geeigneter Brandführung nicht zu schlagartig frei. Je langsamer wir aufheizen je weniger Dampfdruck wird aufgebaut und der Wasserdampf hat Zeit zu entweichen. Sind jetzt Lufteinschlüsse in der Tonmasse, sammelt sich darin Wasserdampf. Der hat gegenüber dem flüssigen Wasser ein sehr sehr viel grösseres Volumen! Dieser Druck lässt das Teil schlagartig explodieren wie eine Splitterhandgranate.

Die Quarzteile in der Tonmasse wandeln sich bei ca. 520°C um. Den Übergang nennt man “Quarzsprung”, weil die Umwandlung auch mit einer sprunghaften Vergrösserung des spezifischen Volumens verbunden ist, die durch eine geänderte Anordnung der Kristalle entsteht, sollte man in diesem Temperaturbereich langsam brennen. Ein zu schnelles Aufheizen oder Abkühlen kann zu Sprüngen und Rissen der Tonwaren führen.

Der Brand

Ab 100°C setzt der Ton das Wasser aus den Poren frei. Ab 200°C ist dieser Prozess nicht mehr rückgängig zu machen, d.h. der Ton löst sich nicht mehr in Wasser. Bei Temperaturen zwischen 350 und 700 °C setzt der Ton noch einmal etwa 5-15 % chemisch gebundenes Wasser frei. Üblicherweise wird mit 100°C pro Stunde bis 650°C gebrannt. Danach kann mit ca. 150°C pro Stunde auf die Endtemperatur von ca. 960°C geheizt werden. Diese Temperatur wird ca. 20 Minuten gehalten. Der hierbei entstandene gebrannte Ton wird auch Tonscherben genannt.

Besonders dicke und empfindliche Objekte sollten möglichst langsam auf 650°C gebrannt werden. Wir empfehlen eine maximale Aufheizgeschwindigkeit von 40 bis 70°C pro Stunde.

Die auf 900 – 1000°C rohgebrannten Objekte nennen wir Scherben oder Schrühware. Der Ton ist jetzt hart, das heisst er löst sich in Wasser nicht mehr auf, bleibt aber dennoch porös.

1 Kommentar

  1. geschrieben am 1. Oktober 2008 um 22:37 Uhr| Permalink

    Heutzutage, im Zeitalter elektrischer Öfen und Thermostate, stell ich mir das gar nicht mehr sooo schwierig vor, das könnte man ja sogar computergesteuert machen. Aber früher mal, als Ton mit Feuer gebrannt wurde, da muss das schon ein ziemlich schwieriger Prozess gewesen sein zu verhindern, dass nicht jedes zweite Teil vorzeit springt.

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